Umfrage: Digitale Gewalt in Zahlen
Gewalt im sozialen Nahraum, zum Beispiel in Beziehungen oder der Familie, wird längst auch mit technischen Hilfsmitteln ausgeübt. Zahlen zur Häufigkeit und zu den eingesetzten Methoden fehlen bislang. Das wollen wir ändern.
Im Jahr 2024 wurden 135.713 gewaltsame Übergriffe auf Frauen durch ihre Partner oder Ex-Partner bei der Polizei angezeigt. 38.484 Frauen waren von Stalking, Bedrohung oder Nötigung betroffen [BKA Bundeslagebild Häusliche Gewalt 2024]. In vielen solcher Fälle spielen technische Mittel eine Rolle, die vom einfachen Passwortdiebstahl bis hin zum Einsatz von Standort-Trackern wie Apple AirTags und spezieller Spionage-Software reichen.
Belastbare Zahlen dazu, in welcher Häufigkeit technische Übergriffe im Zusammenhang mit Gewalt im sozialen Nahraum eine Rolle spielen und welche Methoden dabei zum Einsatz kommen, gibt es bisher kaum. Solche Informationen sind aber essentiell, um in Politik und Gesellschaft die notwendigen Schritte zu Eindämmung und Prävention einleiten zu können.
Mit unserer Umfrage gehen wir einen ersten Schritt, um das Problem digitaler Gewalt im sozialen Nahraum sichtbarer zu machen. Mit Unterstützung der Robert-Bosch-Stiftung wollen wir erstmals quantifizieren, welche technikgestützten Gewaltformen in welchem Ausmaß in Deutschland zum Einsatz kommen.
Die Zahlen sollen helfen, Fortbildungs- und Unterstützungsbedarfe gegenüber öffentlichen Geldgebern zu vermitteln und diese oft im Verborgenen stattfindende Gewaltform sichtbar zu machen.
So funktioniert die Umfrage
Unser Monitoring richtet sich an Fachkräfte aus Frauenberatungstellen, Frauenhäusern und anderen Einrichtungen, die gewaltbetroffene Frauen* unterstützen.
Den Link zur Umfrage versenden wir per E-Mail an unser Netzwerk. Wer keine E-Mail von uns bekommen hat, aber gerne mitmachen möchte, kann unter einteam@ituj.de einen Link anfragen.
In der Umfrage erfassen wir Fälle digitaler Gewalt aus den letzten vier Wochen Beratungszeit in einer Unterstützungseinrichtung. Alle Antworten sind anonym und lassen sich nicht auf einzelne Personen, Einrichtungen oder IP-Adressen zurückverfolgen.
Die Ergebnisse aus dem Monitoring werden wir auswerten und veröffentlichen. Damit können sie von allen Interessierten genutzt werden, um mehr Sichtbarkeit für digitale Gewalt zu erwirken und in dem Zusammenhang größere Unterstützung für das Gewaltschutzsystem einzufordern.
