publikation
Konzeptpapier: Technische Unterstützung für das Gewaltschutzsystem
Gemeinsam mit anderen Organisationen haben wir Anforderungen für eine technische Anlaufstelle digitale Gewalt formuliert. Das Konzept entstand im „Dialog für Cybersicherheit“ des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik.

Digitale Gewaltformen schaffen komplexe Probleme, die die bestehenden Beratungsstrukturen vor große Herausforderungen stellen. Während psychosoziale Beratung bereits etabliert ist, fehlt es oft an technischen Kenntnissen, um Betroffene digitaler Gewalt wirksam zu unterstützen.
Schutz- und Beratungseinrichtungen fordern daher schon lange gezielte technische Unterstützung von Technik-Expert*innen, die auf Themen der geschlechtsspezifischen Gewalt spezialisiert sind.
Im Rahmen des „Dialogs für Cybersicherheit“ des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) haben sich Vertreter*innen aus Zivilgesellschaft, Wissenschaft und Wirtschaft beraten, wie eine solche technische Unterstützung konkret umgesetzt werden könnte.
Erarbeitet wurde ein Konzeptpapier für eine technische Anlaufstelle, die speziell auf digitale Gewaltformen wie Cyberstalking, bildbasierte Gewalt oder Identitätsdiebstahl reagieren und damit die Lücke im bestehenden Hilfesystem schließen kann.
Weitere Ergebnisse des Cyberdialogs
Eine Erhebung im Rahmen des BSI-Dialogs für Cybersicherheit unter 521 Mitarbeitenden aus Fachberatungsstellen, Frauenhäusern und dem WEISSEN RING brachte neue Erkenntnisse zu den Bedarfen im Hilfesystem. Die Auswertung ist Teil des Ergebnisberichts. In fast 80 Prozent der Fälle von Partnerschaftsgewalt spielte digitale Gewalt eine Rolle. Die häufigsten Formen sind unerwünschte Kontaktaufnahmen, digitale Diffamierung sowie bildbasierte sexualisierte Gewalt (sogenannte „Dick Pics“, „Revenge Porn“, Deep Fakes).
Nur etwa ein Drittel der befragten Beratenden fühlte sich sehr kompetent, im Fall digitaler Gewalt die jeweils nötigen technischen Einstellungen vorzunehmen und Fälle von Stalking, Beleidigung und Verleumdung bei den Plattformen zu melden. Fast alle befragten Beratenden (96,7%) wünschten sich konkrete Hilfe im Umgang mit digitaler Gewalt: Schulungen, Ansprechpartner*innen mit technischer Expertise und Unterstützung bei der Beweissicherung.
Digitale Gewalt im Unterstützungssystem
Beratende aus Fachberatungsstellen, Frauenhäusern und der Opferhilfe sind bei Fällen digitaler Gewalt bisher weitgehend auf sich allein gestellt und müssen sich das nötige technische Wissen meist selbst aneignen. Technisch auf dem neuesten Stand zu bleiben, ist für Beratende, die in der Regel für die psychosoziale Beratung Betroffener ausgebildet sind, fachlich und zeitlich nicht zu leisten.
Das Unterstützungssystem ist auch ohne die zusätzlichen Anforderungen durch digitale Gewalt stark überlastet und kann dem Bedarf in seiner derzeitigen Form nicht gerecht werden. Eine ausführliche politische Einordnung digitaler Gewalt sowie Forderungen aus der Praxis sind in einem Forderungspapier (2024) von 68 Organisationen nachzulesen. Es ist hier abrufbar.
Der Dialog für Cybersicherheit
Im „Dialog für Cybersicherheit“ treten Vertreter*innen der Zivilgesellschaft, Wissenschaft, Kultur und Medien, Wirtschaft und Staat untereinander sowie mit dem Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) in den Austausch. Gemeinsam erarbeiten sie in Workstreams praxisorientierte Maßnahmen, die die Sicherheit der digitalen Infrastrukturen stärken sollen. Das BSI unterstützt dabei organisatorisch.